Nordjütland nennt sich der nördliche Teil des dänischen Festlandes. Strenggenommen handelt es sich bei Nordjütland um eine Insel, die durch das Limfjord vom eigentlichen Festland getrennt ist.
Aalborg ist die größte Stadt im Norden und die zweitgrößte in ganz Dänemark. Sie wurde im Jahr 1040 n.Chr. erstmalig erwähnt, beherbergt heute ca. 200.000 Einwohner und ist Kultur- und Handelszentrum in Dänemarks Norden. Der Rest Nordjütlands ist geprägt von ländlichen Strukturen, entsprechend dünn besiedelt, wenn da nicht noch die Touristen wären ...
Nun zu unserer Reise: In den letzten 14 Jahren war ich drei Mal geschäftlich in Dänemark. Bisher gingen die Fahrten ausschließlich nach Mariager am gleichnamigen wunderschönen Fjord, ungefähr 60km südlich von Aalborg. Aus Zeitmangel fuhr ich immer direkt zu meiner Geschäftspartnerin, einer Kosmetik-Firma. Die Strecke entlang des Mariager-Fjords hatte mir schon bei der ersten Fahrt so gut gefallen, und so habe ich nach meiner Rückkehr meiner Frau Hille von der schönen Landschaft vorgeschwärmt. Sollte sich also die Gelegenheit ergeben, so wollte sie bei einer der nächsten Reisen mitfahren. Unserer damals 5-jährigen Tochter Anna-Lena schlug ich vor, dabei auch im Legoland "vorbeischauen" zu können.
Diese Gelegenheit sollte länger auf sich warten lassen. Anfang August 2008, wir waren gerade mit den Vorbereitungen für unseren Urlaub ins Villnößtal in Südtirol beschäftigt, schlug ich vor, im Anschluss an die Urlaubswoche in Italien ein verlängertes Wochenende nach Dänemark zu fahren. Die Parameter passten perfekt: Ab 1. September tritt bei meinem Geschäftspartner eine neue Preisliste mit höheren Preisen in Kraft, wir benötigen dringend Ware, Hille hat noch Urlaub und Anna-Lena hat sich, nach ihrem Abitur, noch nicht für eine weitere Ausbildung entschieden, hat also ebenfalls Zeit mitzufahren. Als Reisedatum hatten wir uns für Freitag, den 29.08. bis Montag den 01.09.2008 entschieden.
Unser Zeitplan sah wie folgt aus:
Freitag, 29.08.------Abfahrt um 3 Uhr morgens
----------------------------Ankunft gegen 18 Uhr bei unserer Ferienwohnung in
----------------------------Vester Hjermitslev bei Fam. Watson
Samstag, 30.08.----Umgebung von Saltrum und Lokken an der Nordsee
Sonntag, 31.08.-----Skagen und Umgebung, anschließend zum Hotel nach Aalborg
Montag, 01.09.------Fahrt von Aalborg nach Mariager zur Geschäftspartnerin
-----------------------------(Ankunft 9 Uhr),
-----------------------------Besichtigung der Kosmetikproduktion, Einladen der Ware
-----------------------------Rückfahrt: Spätestens gegen 11 Uhr
-----------------------------Ankunft zu Hause: Am späten Abend.
Nachdem wir Probleme hatten, unser Gepäck für drei Personen und eine Woche Italien in unserem Mercedes ML unterzubringen, gab ich die Losung aus: Nur kleines Gepäck, höchsten ein kleiner Trolly plus Tasche, denn immerhin benötigten wir für die Rückfahrt den kompletten Kofferraum des ML für eine Palette Kosmetik. Prompt kam der Einwand, ich solle meine Fotoausrüstung zu Hause lassen, dann wäre Platz kein Problem. Aber das kam ja überhaupt nicht in Frage !
Mit meiner Forderung, freitags schon um 3 Uhr in der Frühe loszufahren, machte ich mir ebenfalls keine Freunde. Schließlich hatten wir 1200km vor uns und ich wollte verhindern, abends zu spät oder sogar in der Nacht am Ziel anzukommen. Noch haben wir alle die Fahrt im Oktober 1997 nach Hamburg in Erinnerung: Hinfahrt ca. 9 Stunden, Rückfahrt ca. 13 Stunden, und Hamburg ist erst gut die Hälfte der Strecke nach Nordjütland. Ich habe die Abfahrtszeit dann aber doch am Tag vor der Abreise auf humane 6 Uhr morgens festgelegt. Diesen Termin haben wir auch pünktlich eingehalten.
Wie bestellt, prognostizierte auch der Wetterdienst schönstes Sommerwetter für ganz Mittel- und Nordeuropa und so konnten wir uns auf ein wirklich perfektes Wochenende freuen.
Die Fahrt verlief vollkommen problemlos und stressfrei. Gegen 17 Uhr erreichten wir unsere Ferienwohnung in Vester. Nachdem uns Frau Watson unser Zimmer gezeigt und wir unser Gepäck ausgeladen hatten, meinte sie, dass wir uns unbedingt den Sonnenuntergang am Strand anschauen müssten. Also fuhren wir anschließend Richtung Strand. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der Kirche mit Friedhof von Saltum vorbei.
Kirche mit Friedhof von Saltum
Die Kieselsteinwege sind penibel und liebevoll mit dem Rechen bearbeitet.
Mit solchen "Steinmauern" sind die Friedhöfe umgeben. Die "Dicke" der Mauern beträgt ca. 2m, sodass der Rasen auf der Steinwand wird mit dem Rasenmäher gemäht werden kann.
Und dann der Strand !!
Wir konnten es kaum glauben: Die Strände dürfen, bis auf wenige Ausnahmen, bis zum Wasser befahren werden. Das war herrlich, aber den Mädels wurde es manchmal ziemlich "mulmig" und ich musste nach einer "etwas schwierigeren Passage" wieder umdrehen. Wir hatten ja durchaus genau das richtige Fahrzeug dafür !
Dann ging die Sonne unter ...
Frühstück am ersten Morgen unter strahlend blauem Himmel- Frau Watson hat uns alles serviert - was will man mehr?
Unser Zimmer für die ersten beiden Tage/ Nächte
Und nach dem Frühstück gings wieder an den Strand: Zum Wandern und zum Wandernfahren. Dieser Strand war ca. 10 km nördlich von Lokken - und wir hatten ihn fast für uns alleine!
Die Kirche in Skallerup wurde gerade für eine Hochzeit vorbereitet. Alle Kerzen waren schon angezündet.
Das Pfarrhaus
Ein "königlicher" Messpunkt.
Rubjerg Knude ist mit 72m der höchste Teil der 13km langen Steilküste bei Lönstrup. Der Steilhang wurde vor 28.000 Jahren gebildet, als das Eis von Norwegen kam und eine Mergel- und Sandschicht in die Eisschollen hineinschob. Vom Strand aus kann man die schräggestellten Mergel- und Sandschichten erkennen.
Rubjerg Knude Fyr
Der 23m hohe Leuchtturm wurde im Jahr 1900 gebaut. Damals stand der Turm 200m im Landesinnern. Mit der Zeit rückte das Meer immer näher und der Sand der Düne lagerte sich um den Leuchtturm herum ab. Als man den Sandflug der Düne einzudämmen versuchte wuchs die Dühne so hoch, dass der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zu sehen war. Deshalb wurde der Leuchtturm 1968 stillgelegt. Nachdem die Maßnahmen gegen den Sandflug eingestellt wurden, begann die Düne in nordöstliche Richtung zu wandern. Zuerst verschüttete sie ausgerechnet das Sandflugmuseum! Heute ist die Düne am Leuchtturm vorbeigewandert. Das Schicksal des Turms ist allerdings besiegelt: Er stürzt in wenigen Jahrzehnten ins Meer.
Auf der Düne:
Hier wollten wir eigentlich einen Kaffee trinken. Allerdings war die Bedienung völlig überlastet und nach einer Wartezeit von über 30 Minuten machten wir uns eben ohne Kaffee wieder auf den Weg.
Am späten Nachmittag fuhren wir zum Kloster Borglum, das aber leider schon geschlossen hatte.
Und dann wieder ein herrlicher Sonnenuntergang
Am nächsten Morgen (Sonntag) packten wir unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg nach Skagen.
Den Vormittag verbrachten wir aber nochmals am Strand zwischen Saltum und Lökken.
Unterwegs machten wir einen kurzen Halt bei einem kleinen Friedhof
Am frühen Nachmittag erreichten wir Skagen. Skagen ist ein ehemaliges Fischerdorf an der Nordspitze des dänischen Festlandes. In dem Dorf mit seinen kleinen, gelben Häuschen wohnen allerdings schon lange keine Fischer mehr. Reiche Dänen, Norweger, Schweden und Engländer haben die beschaulichen Häuschen aufgekauft und verbringen hier ihre Sommerzeit. Die Häuschen haben inzwischen Millionenwerte und der Jachthafen von Skagen kann sich durchaus mit seinesgleichen am Mittelmehr messen. Die Anzahl der Touristen, auch aus Deutschland, war um ein Vielfaches höher als an dem Nordseestreifen, wo wir noch vor ca. einer Stunde herumspazierten.
Aufschrift an einem Bunker aus den 2. Weltkrieg
Unmissverständlicher Warnhinweis
Der Strand bei Skagen ist für normale Fahrzeuge gesperrt. Die Spuren auf dem Foto werden von Traktoren verursacht, die die Touristen auf großen Bus-Anhängern über den Strand fahren.
Auf dem Weg zur nördlichsten Festlandspitze entdeckten wir eine Robbe. Zunächst dachten wir, dass sie verletzt ist. Offensichtlich ist sie aber die Nähe von Menschen gewöhnt.
Und dann haben wir den nördlichsten Festlandspunkt von Dänemark erreicht. Der Punkt, an dem sich Nord- und Ostsee treffen. Hans-Georg steht am Kattegat (Ostsee), Anna-Lena am Skagerak (Nordsee). Und Hille irgendwo im Meer draussen!
Nach einem kurzen Stopp am Strandcafé fuhren wir weiter gen Süden Richtung Aalborg. Ungefähr 5km südlich von Skagen befindet sich im Wald die von einer Wanderdüne versandete St.-Laurentii Kirche. Die Kirche wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut und war zu dieser Zeit die bedeutendste in Nordjütland. Im 16. Jahrhundert begann die Versandung. Bis 1795 bemühten sich die Bewohner um Rettung der Kirche. Auf Befehl des dänischen Königs wurde das Kirchenschiff abgerissen. Der Turm blieb als Seezeichen für die Schiffe erhalten.
Über Frederikshavn fuhren wir anschließend zum 80km entfernten Aalborg. Um 17 Uhr trafen wir am Hotel ein Es war Sonntag und die Rezeption war nicht besetzt. Glücklicherweise hatten wir Anna-Lena dabei, die den Check-In am Automaten übernahm. Ich stehe irgendwie auf Kriegsfuß mit solchen Automaten ...
Das relative große "Zleep" Business Hotel in Aalborg schien menschenleer zu sein. Wir bezogen unser Zimmer und machten uns anschließend auf den Weg ins Stadtzentrum von Aalborg. Wir parkten recht zentrumsnah in der Vingardsgade und schlenderten über den Bourlevaden in die Algade. Dort fanden wir den "Summerbird"-Laden, eine Schokoladenmarke, die wir auch schon im Sortiment hatten. Die Summerbird-Schokolade ist eine sehr hochwertige, und somit hochpreisige, Schokolade. Vielleicht waren wir da vor über 12 Jahren einfach zu früh damit am Markt. Heute werden auch hochwertige Schokoladen gut verkauft. Eventuell sollten wir das heute nochmals anbieten ...
Nach ungefähr 100m bogen wir rechts in die Hjelmerstald ein. Ein kleines, enges Gässchen mit wunderschönen Haustüren und eine Werkstättenanlage für Töpferei.
Die ganze Zeit über, in der wir uns in diesem Werkstatthof aufgehalten hatten, standen wir unter strengster Beobachtung eines aufmerksamen Bewohners
Und hier einige der Haustüren:
Als ich die Haustüren fotografierte zeigte mir eine Bewohnerin eises der Häuschen eine Postkarte, auf der eine ganze Reihe solcher Haustüren von Aalborg abgebildet waren. Sie wollte mir die Postkarte geben hatte aber im letzten Moment bemerkt, dass sie an sie adressiert und beschriftet war. Sie meinte dann, dass ich im Touristikbüro eine Posterausgabe dieser Postkarte erhalten könne. Wir schlenderten anschließend noch über den Boulevarden und fuhren anschließend zurück zu unserem Hotel.
Hier noch einige Fotos aus dieser Straße:
Am nächsten Morgen fuhren wir nach ausgiebigem Frühstück gegen 8.15 Uhr nach Mariager, wo wir dann eine Stunde später bei der Fa. Urtekram eintrafen. Nach einem halbstündigem Gespräch mit meiner Ansprechpartnerin Tina besichtigten wir noch die Kosmetikproduktion. Da wir dazu Plastikhäubchen, -mäntelchen und -schuhe tragen mussten, verzichtete ich auf jegliche fotografische Aufnahmen.
Kurz vor 11 Uhr machten wir uns auf den problemlos verlaufenden Rückweg nach Bruchsal. Lediglich in Heidelberg verließen wir die Autobahn, um uns in unserem Stammrestaurant für die weitere Heimreise nach Bruchsal nochmals zu stärken.
Die Reise war ja von Freitag Früh bis Montag Abend sehr kurz. Aber irgendwie hatte jeder von uns das Gefühl, mindestens eine Woche in Dänemark gewesen zu sein. Das spricht sich!


















































































